Alltag in Ostafrika
Ich lebe in einer kleinen, sehr ländlichen Stadt – oder eher in einem großen Dorf im Nordosten eines ostafrikanischen Landes. Wir sind nur drei „Weiße“, also Leute aus dem Westen, hier in der Gegend. Wir leben nahe bei der einheimischen Bevölkerung und bauen Beziehungen zu unseren gastfreundlichen und hilfsbereiten Nachbarn. Auch mit den Händlern auf dem Markt oder in den lokalen Läden, oder den Frauen, die am Straßenrand Kaffee verkaufen, haben wir gute Kontakte. Beziehungen und Freundschaften sind hier sehr wichtig – sie öffnen uns Türen zu Gemeinschaften und Familien. Wir sind auf gute Beziehungen angewiesen, denn als „Fremde“ benötigen wir immer wieder Hilfe in den verschiedensten Lebensbereichen. Als ich hier angekommen bin und im Städtchen unterwegs war, rief man mir oftmals zu: «Hey, Ausländer!» Später hörte ich öfter: „Psst, die kann unsere Sprache.“ Heute, kennen viele Leute meinen Namen, grüßen mich freundlich auf der Straße, fragen mich, wie es mir geht.
Im Krankenhaus
Ich arbeite hier im lokalen Krankenhaus mit, denn ich bin ausgebildete Hebamme. Das ist eine tolle Sache. Die Leute lernen mich kennen und wir treffen uns auch später wieder einmal auf der Straße. Ich helfe zwei Mal pro Woche in der Schwangerenvorsorge mit. Die Zusammenarbeit mit den einheimischen Hebammen brauchte etwas Aufwärmzeit, aber heute arbeiten wir Hand in Hand gut zusammen. Auch die Arbeitsweise ist hier etwas anders, als wir es in den Spitälern in Deutschland gewöhnt sind. Aber meine Kolleginnen freuen sich, wenn ich zur Arbeit komme. Dann haben sie weniger zu tun. Wir können auch viel voneinander lernen. Manchmal haben die schwangeren Frauen etwas Angst vor mir. Sie hatten ja noch nie mit einer „Weißen“ zu tun. Meine Kolleginnen helfen mir mit der Sprache, wenn ich etwas nicht gleich verstehe oder mir ein bestimmtes Wort nicht in den Sinn kommt. Manchmal verstehen mich die Frauen auch nicht, denn die einheimische Sprache ist ganz schön schwierig.
Behandlung auf der Straße
Nicht nur in der Klinik kann ich meine Kenntnisse einbringen. Auch vor meinem Haus, in der Nachbarschaft oder sogar beim Einkaufen! Die Leute kommen zu mir mit Brandwunden, Bauchschmerzen, Gastritis, Karies, Hautausschlägen und vielem mehr. Was ich kann, behandle ich quasi „auf der Straße“. Oder ich stelle ein Rezept für Medikamente aus, dass die Leute dann in der Apotheke holen können. Beim Verabschieden bete ich auch für die Leute. Die allermeisten nehmen das gerne an. Ich möchte ja, dass sie nicht nur körperlich gesund werden, sondern auch ihr Leben bei Gott heil werden kann.
Noah oder Jona
Wenn ich nicht im Krankenhaus arbeite oder Hausbesuche mache, vertiefe ich meine Sprachkenntnisse. Eine einheimische Freundin kommt dafür 3–4-mal wöchentlich zu mir. Wir reden über Alltagsdinge, über Sachen, die wir erlebt haben. Aber auch über praktische Fragen: Wie finde ich einen guten Klempner? So lerne ich immer besser zu verstehen und zu sprechen.
Kürzlich hat es geregnet. Das kommt selten vor. Es gab einen Regenbogen und ich habe ein Foto davon gemacht. Am nächsten Tag habe ich meiner Freundin das Bild gezeigt und gemeinsam haben wir die Geschichte von Noah in der Bibel gelesen. So kann ich Samen ausstreuen und Gottes Wort wird nicht leer zurückkommen. Erstaunlicherweise konnte meine Freundin die Geschichte sogar weitererzählen. Allerdings war ihre Version etwas anders: Die Menschen hätten sich nach der Sintflut wieder dem Bösen zugewandt. Daraufhin habe sich Noah ins Meer gestürzt und sei von einem Fisch verschluckt worden. Ich habe ihr dann erzählt, dass das nicht Noah war, sondern Jona. Wir haben herzlich gelacht. So können wir dann beim nächsten Treffen die Jona Geschichte zusammen lesen. Und ich bete, dass Gott meine Freundin und noch viele Muslime hier berührt, damit sie Jesus nachfolgen können.
Betest du mit? Oder kommst du nach Ostafrika und arbeitest mit? Es gibt viele Möglichkeiten.
H., eine Mitarbeiterin in Ostafrika






























