Viel mehr als nur eine Sprachschule
«Ich, Hannah (Name geändert), bin nun schon seit drei Jahren in meinem Einsatzland in Nordafrika. Es braucht seine Zeit, bis man sich wirklich einlebt, aber mittlerweile habe ich schon einiges über Land, Leute, Sprache und Kultur gelernt.
Beginnen wir mit der Bevölkerung: Offiziell sind über 90% der Bevölkerung Muslime. Allerdings sieht das im realen Leben etwas anders aus. Viele junge Menschen – vor allem in den Städten – sind säkular, Agnostiker, manche sogar Atheisten. Offen darüber zu sprechen ist immer noch ein Tabu, aber der ein oder andere sagt es einem doch im Vertrauen, dass er weder fastet noch betet oder auch nur an einen Gott glaubt.
Zwischen Land- und Stadtbevölkerung gibt es teils große Unterschiede. Besonders die Armut in den ländlichen Gebieten zieht viele in die Städte, wo sie sich Arbeit erhoffen. Die Arbeitslosigkeit ist jedoch ein riesiges Problem. Allein bei jungen Erwachsenen unter 24 Jahren liegt die Arbeitslosenquote bei fast 40%. Es ist daher nicht überraschend, dass viele nach Europa wollen, um dort eine Ausbildung oder Arbeit zu finden.
Unser Sprachinstitut
Gerade für diese jungen Menschen hat Gott uns eine Tür geöffnet. Ganz ungeplant, aber sehr geführt, gründete meine Kollegin ganz allein vor 5 Jahren ein Deutschinstitut. In ihrer ersten Klasse saß zunächst nur eine Schülerin. Inzwischen sind wir durch Gottes Gnade auf drei Lehrerinnen, vier Klassen und derzeit fast 80 Schüler gewachsen. Es kommen vor allem junge Erwachsene, die in Deutschland eine Ausbildung beginnen möchten und dafür entsprechende Sprachkenntnisse vorweisen müssen. Unser Anliegen ist es unseren Schülern nicht nur die Sprache, sondern vor allem Gottes Liebe, Annahme und auch seine gute Botschaft weiterzugeben. Letzteres ist jedoch nicht sehr offen möglich. Wie in vielen muslimisch-geprägten Ländern, ist es auch hier im Land nicht erlaubt zu evangelisieren. Laut Gesetz ist es sogar illegal, einen Muslim in seinem Glauben zu erschüttern. Für einen Ausländer kann das dazu führen, dass er aus dem Land ausgewiesen wird. Für Einheimische kann bei Anzeige sogar eine Haftstrafe folgen.
Gott öffnet Türen
Doch wir glauben, dass das für unseren großen Gott kein Hindernis ist. Im Unterricht selbst sprechen wir über die europäische Kultur und damit auch über christliche Feste und Werte. Unser Gebet ist es, dass dies den Horizont der Schüler erweitert und sie weitere Fragen stellen. Denn meist sind wir Lehrerinnen die ersten Christen, die sie kennenlernen. Bei dem einen oder anderen Schüler öffnete Gott dann auch Türen. Vor allem nach dem Unterricht ergeben sich Gespräche über den Glauben.
Da ist zum Beispiel einer meiner ehemaligen Schüler, Ali (Name geändert). Wir kamen auf die Situation in Israel/Palästina zu sprechen. Ich teilte ihm meine Überzeugung mit, dass nur Vergebung die tiefen Wunden heilen könnte, die die Menschen haben und dass diese Vergebung von Jesus kommt. Ali stellte daraufhin viele Fragen und war ehrlich interessiert daran, was ich glaube. Ich bete, dass er weiter fragt und selbst anfängt in der Bibel zu lesen.
Was die Zukunft bringt
Wie lange ich selbst im Land bleiben kann, liegt allein in Gottes Hand. Die Behörden könnten jederzeit beschließen, dass sie die Arbeit von ausländischen Christen nicht mehr dulden wollen, und sie ausweisen. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass der Geheimdienst gut über die Hausgemeinden und uns Ausländer im Land informiert ist. Über die Jahrzehnte hinweg gab es immer wieder Wellen, in denen zahlreiche ausländische Mitarbeitende ausgewiesen wurden.
Deshalb bitte ich um Gebet, dass ich und alle meine Geschwister hier im Land wirklich jede Minute für Jesus leben und keine Zeit verschwenden, damit viele unserer Mitmenschen die Gute Nachricht hören. Und gerne darfst auch du bei uns mithelfen!»
Eine Story von ReachAcross






























